ARCHÄOLOGISCHE STÄTTEN VON POMPEJI, HERCULANEUM UND TORRE ANNUNZIATA
SERIELLES WELTKULTURERBE
Lucio, die Hauptfigur des Romans La fortuna von Valeria Parrella, sieht die schreienden Frauen mit ihrem Schmuck auf der Flucht vor dem ausbrechenden Vulkan. Es ist der 24. Oktober (vielleicht auch August) des Jahres 79 n. Chr.: Ein Tag, der das Leben von Lucio und seiner Stadt Pompeji für immer verändern wird und den wir in den archäologischen Stätten von Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata zum Teil nachempfinden können. Nirgendwo sonst als in Pompeji und dem Gebiet um den Vesuv kommt der Besucher der Antike emotional so nah. Keine andere Stätte vermag ihre Besucher derart zu begeistern, dass sie dem Naturereignis, das den Himmel über den Golf von Neapel zum Glühen brachte und den Tag zur Nacht machte, am liebsten selbst beigewohnt hätten. Ein Besuch der archäologischen Stätten von Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata erfordert eine gewisse Achtung gegenüber dem Leben, dem Tod, dem Unglück, dem Abgrund und dem Erhabenen an einem Ort, an dem die Schmerzensschreie der Einwohner in Tuffstein eingemeißelt zu sein scheinen. Ein Ort, an dem man das Gefühl hat, den Moment mitzuerleben, in dem ganze Städte zerstört wurden.
NICHT ZU VERPASSEN
„Darauf änderte er seinen Plan, und was er aus Neugierde begonnen hatte, führte er jetzt mit Edelmut aus. Er ließ einen Vierruderer zu Wasser und geht selber an Bord. Nicht nur um Rectina Hilfe zu bringen, sondern vielen anderen [...]. Er eilt dorthin, von wo aus andere fliehen [...].“
Mit diesen Worten beschreibt Plinius der Jüngere in einem Brief an Tacitus das Schicksal seines Onkels, Plinius des Älteren, der sein Leben verlor, als er versuchte, die Einwohner von Pompeji und Herculaneum zu retten. Heute ist es um den Vesuv ruhiger und man kann die Gegend besuchen und sich dabei als Tourist im klassischen Sinne fühlen, nämlich als Nachkomme der Grand-Tour-Reisenden. Die antiken Villen konnten nur teilweise ausgegraben werden, doch das Sichtbare wiegt das Unsichtbare auf und bietet Material, um Tausendundeine Nacht mit Träumen der Antike zu ergänzen.
Google Maps
„An jenem Küstenabschnitt reiht sich Villa
an Villa, sodass man mitunter nicht zu
unterscheiden vermag, wo die eine aufhört
und die andere beginnt. Das Ganze sieht aus
wie ein riesiges Dorf, in dem nur Villen gibt.“
Am Golf von Neapel, heute eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas, lebten schon in der Antike viele Menschen. Bereits Strabon schrieb über die zahlreichen Villen und Häuser in dieser Gegend. Die Tatsache, dass viele Häuser noch nicht freigelegt werden konnten, macht das Gebiet am Vesuv zu einem kleinen Eldorado für Archäologen. Dank seiner Nähe zum Vulkan war der Boden sehr fruchtbar, ganz zu Schweigen vom milden Klima und den vielen Thermen und Badeorten. Aus diesem Grund bauten die Römer hier ihre Villen und entspannten zwischen Mystik und Wein, Ritualen und Banketts, Lastern und Verschwendung. Nach ihrer Zerstörung im Jahr 79 n. Chr. kam die Campania Felix dank der archäologischen Ausgrabungen der letzten drei Jahrhunderte wieder zum Vorschein und auch die Lebensfreude von damals ist wieder zu spüren.
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Die italienischen UNESCO-Welterbestätten erzählen ihre Geschichte durch die Worte großer Schriftsteller, die ihre Geschichte und Schönheit gefeiert haben
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„NOCH ALS ICH SECHS ODER SIEBEN JAHRE ALT WAR, WAREN IN POMPEIJ VIELE ARBEITER AUS ALLEN LÄNDERN. SIE HATTEN WUNDERBARE SCHÄCHTELCHEN MIT MEISSELN, WERKZEUGEN UND FARBEN. AUF DEN STRASSEN SPRACHEN SIE UNVERSTÄNDLICHE DIALEKTE UND ÄUSSERTEN SICH SCHAMLOS, WAS UNS ZUM LACHEN BRACHTE.“


LESEEMPFEHLUNGEN
Buchempfehlungen zum Ausbruch des Vesuvs.
- Pompeji, Robert Harris (2003). Der historische Roman spielt im August 79 n. Chr., 24 Stunden nach der Katastrophe. Er erzählt die Geschichte Attilios, eines jungen Ingenieurs, der vergeblich versucht, die Stadt und Bürger zu retten.
- Le ragazze di Pompei, Carmen Covito (2011). Der Roman von Carmen Covito, der als eine Art weibliches Satyricon gilt, spielt in Pompeji vor dem Ausbruch des Vesuvs. In Form eines Tagebuchs wird die Welt der Frauen erforscht. Die Hauptfigur ist Tirrena, eine nach dem Verlust ihres Kindes geschiedene Frau, die auf der Suche nach einer Chance auf Emanzipation ist.
- Pompeji, die größte Tragödie der Antike Alberto Angela (2014). Italiens beliebtester Autor erzählt von den drei letzten Tagen in Pompeji und dem Schicksal der Städte im Gebiet um den Vesuv. Das Buch richtet sich an alle, die eine umfassende Darstellung der Ereignisse möchten, ohne dabei auf Geschichtsbücher zurückgreifen zu müssen.
- 50 Briefe, Plinius der Jüngere (2019). Es ist der einzige, wenn auch indirekte Bericht eines Augenzeugen über den Vesuvausbruch: Der von Plinius dem Jüngeren, dem Neffen von Plinium dem Älteren, verfasste und an Tacitus gerichtete Brief. Sein Onkel, der Kommandant der in Miseno stationierten Flotte, starb, als er versuchte, Menschen auf der Flucht zu retten.
- La fortuna, Valeria Parrella (2022). Eine Erzählung über die Geschichte von Lucio, einem Jugendlichen, der an diesem Oktobertag des Jahres 79 n. Chr. Teil der Flotte von Plinius dem Älteren ist. Ein Werk, das pulsierende Leben in der Antike beschreibt und dem Leser die tragischen Momente des Vesuvausbruchs näherbringt. Es ist auch ein Coming-of-Age-Roman, der versucht, sich mit der Idee des Glücks auseinanderzusetzen, das im Lateinischen nicht unbedingt positiv konnotiert ist, sondern eher Schicksal, freier Wille ist.
- The Wolf Den, Elodie Harper (2021). Bei den „Wölfinnen“ handelt es sich um fünf Sklavinnen, die in einem Bordell Pompejis zur Prostitution gezwungen werden. Ihre Geschichten überschneiden sich in einem fesselnden Roman, in dem es um Hoffnung, Schwesternschaft und Möglichkeiten geht. Der zweite Band der Reihe heißt The house with the golden door (2023) der dritte Band The Temple of Fortuna (2024).
Kinder- und Jugendliteratur:
- Rissa nel termopolio. Livia e i segreti di Pompei, Nicola Barile, Giulio Peranzoni (2022). Die Erzählung spielt in einem 2020 wiederentdeckten Thermopolium, einer Gaststätte. Es ist die Geschichte von Livia und dem perfiden Mantis, einem Maskierten, der Pompeji terrorisiert.

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